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Thum & Wilharm KG, Orthopädietechnik Hamburg
Wirbelsäule und Becken

Die Wirbelsäule (Columna vertebralis) setzt sich insgesamt aus 33-34 Segmenten zusammen. Es wird in 24 „freie“ Wirbel („lebenslang“ beweglich,... ja, wenn da nichts pathologisches dazwischen kommt!), die sich vom Promontorium (S1/L5) kranial fortsetzen und 9-10 „feste“ Wirbel, die aus 5 miteinander verwachsenen (Synostose) Kreuzbeinwirbeln (Os sacrum) und 4-5 Steißbeinwirbeln (Os coccygis) bestehen, unterteilt. Die 24 „freien“ Wirbel werden in 7 Halswirbel, 12 Brustwirbel und 5 Lendenwirbel differenziert. Die Wirbelkörper sind das tragende Element des Wirbels. Da die physiologische Belastung der Wirbelsäule nach kaudal zunimmt, werden auch die Flächen der Wirbelkörper nach kaudal größer. So ist die Wirbelkörperform der HWS „viereckig“, im BWS Bereich „dreieckig“ und in der LWS „bohnenförmig“. Der Wirbelkörper besteht außen aus einer dünnen und rauhen Kompakta als Grund- und Deckplatte. Im Inneren ist er mit Spongiosa und rotem blutbildenden Knochenmark ausgefüllt.

Die Wirbel formieren sich zu einer Gliederkette, die beim erwachsenen Menschen eine charakteristische Vier-fachkrümmung in der sagittalen Ebene aufweist: die Hals- und Lendenwirbel-lordose sowie die Brustwirbel- und Kreuzbein-Kyphose. So wird die Wirbelsäule zu dem S-förmigen elastisch federnden Stab. In der Be-trachtung der Frontalebene zeichnet sich die Wirbelsäule prinzipiell als gerader Stab ab.

Wirbelaufbau
Der Wirbel besteht aus einem vorderen Wirbelkörper, der die Kraftübertragung vornehmlich statisch übernimmt. Zwischen den Wirbelkörpern befinden sich die Zwischenwirbelscheiben oder Bandscheiben (Disci intervertebralis). Sie funktionieren wie hydraulische Stoßdämpfermechanismen. Die Bandscheibe besteht aus dem äußeren Faserring (Anulus fibrosus), der als faseriger Abschlußring des Intervertebralraums mit den Deck- und Grundplatten der benachbarten Wirbelkörper fest verbunden ist und den Gallertkern (Nucleus pulposus) umschließt.

Der Nucleus pulposus hat die Fähigkeit, Wasser in sich zu binden, was zu dieser „Pufferwirkung“ führt und bei Rumpfbewegungen den Wirbelkörper wie auf einem Wasserkissen gleiten läßt.
 
Am Wirbelkörper setzt dorsal der Wirbelbogen (Arkus vertebralis) an und bildet das Foramen vertebralis (neuraler Raum). Alle Foramina zusammen bilden den Wirbelkanal (Canales vertebralis), durch den das Rückenmark mit seiner Hülle und den Gefäßen verläuft. Aus diesem neuralen Raum treten zwischen den Wirbeln die Nervenwurzeln aus den Zwischenwirbellöchern (Foramen intervertebralis) aus.

Die Betrachtung von zwei Wirbeln mit den dazugehörigen Bandscheiben, Bändern und Nervenwurzeln wird in der Funktionellen Anatomie als Bewegungssegment bezeichnet. Im hinteren Wirbelbereich werden die dynamischen und „hebelmechanischen“ Funktionen durch die Zwischenwirbelgelenke übernommen. Vom Wirbelbogen gehen 7 Vorsätze aus: 2 paarig angelegte Gelenkfortsätze (Proc. articulares superior und inferior), 2 Querfortsätze (Proc. transversi) und ein nach hinten gerichteter Dornfortsatz (Proc. spinosus). Die Querfortsätze stützen im Brustbereich die Rippen ab und bilden mit ihnen zusammen gelenkige Verbindungen (Articulationes costotransversarii). Die Quer- und Dornfortsätze dienen als Muskelfortsätze. Die Zwischenwirbelgelenke bilden eine Verbindung mit dem oberen und unterem Wirbel. Die Lage der Gelenkflächen zueinander verändert sich in den verschiedenen Bereichen der Wirbelsäule.
 
Bandapparat

Die Bewegungsmöglichkeit der Wirbelsäule wird durch straffe Bandverbindungen teilweise stark eingeschränkt. Zwischen den Dornfortsätzen spannen sich die Ligg. interspinalia, zwischen den Querfortsätzen die Ligg. intertransversaria und zwischen den Wirbelbögen die Ligg. flava. Zwischen den Dornfortsatzspitzen spannen sich die Ligg. supraspinale. Im Nackenbereich verbreitern sich diese Bandzüge zu einer sagittal gestellten Faserplatte, dem Nackenband Lig. nuchae. Die Kapseln der Wirbelbogengelenke werden von straffen Bandzügen (einem vorderen und einem hinteren) verstärkt. Verntral und dorsal werden die Wirbelkörper von kräftigen, festen, längs verlaufenden Bändern den Lig. longitudinale anterior und posterior verspannt. All diese Bänder sorgen gemeinsam für eine stabile Verbindung der Wirbel, dadurch wird die Wirbelsäule hoch belastbar. Eine Besonderheit ist das Ligamentum flavum, es verbindet als dickes, kräftiges Band die Unterseite der Lamina arcus vertebrae (hinterer Teil des Wirbelbogens) des oberen Wirbels mit der Oberkante der Lamina des nächstfolgenden Wirbels. Besonders stark ausgeprägt ist das Lig. flavum im Lendenwirbelbereich. Dieses Band ist im Gegensatz zu den anderen Ligamenti nicht aus kollagenem festen Bindegewebe, sondern aus elastischem gelben Gewebe, das wie ein „Gummiband“ zur Wiederaufrichtung des Rumpfes (der Wirbelsäule) aus der Flexion beiträgt und so den M.erector spinae unterstützt.

Wirbelgelenke

Die Beweglichkeit der Wirbelsäule hängt im wesentlichen von der Form und Stellung der Wirbelgelenke ab. Es lassen sich die Bewegungsmöglichkeiten zu den drei Hauptwirbelsäulenabschnitten zu-ordnen. In der Lendenwirbelsäule stehen die Gelenkflächen fast sagittal, die Fortsätze schieben die Gelenkflächen so ineinander, daß sie sich gegenseitig verzapfen. Dadurch ist in der LWS nur eine sehr geringe Rotation möglich. Die größte Bewegungsmöglichkeit hat die LWS in der Extension, also Richtung Hyperlordose. Die Brustwirbelsäule hätte mit der Stellung ihrer Gelenkflächen gute Torsionsmöglichkeiten, aber die sperrigen Rippen schränken diese Bewegung ein. Die BWS läßt eine Flexion (Kyphosierung) mehr zu, als eine Extension. Spitzenreiter in Sachen Beweglichkeit ist die Halswirbelsäule, durch die schräg nach hinten geneigten, kugelförmigen Gelenkflächen und den schlaff ausgelegten Gelenkkapseln, wird der HWS ein seitliches Ver-schieben und eine Drehbewegung ermöglicht, die in der Summe aller Halswirbel zu einem großen Bewegungsausschlag für den Kopf führen.

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