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Thum & Wilharm KG, Orthopädietechnik Hamburg
Prothesen

Prothesen

Allgemein

Die grobe Einteilung der Armprothesen erfolgt in:

  • kosmetische Prothesen (keine aktive Funktion,keine Gelenkbewegung)
  • zugbetätigte Prothesen (eine oder mehrere Funktionen durch Bandagenzug)
  • myoelektrische Prothesen
  • Hybridprothesen

Eine etwas differenziertere Klassifizierung erfoglt in:

  • Passive Prothesen -kosmetische Prothesen -passiver Arbeitsarm
  • Aktive Prothesen mit Eigenkraft -direkte Kraftquelle (Sauerbruch, Krukenberg) -indirekte Kraftquelle über Bandagenzug
  • Aktive Prothesen mit Fremdkraft -myoelektrische gesteuerte Prothesen
    -druckluftgesteuerte Prothesen -hydraulische Steuerung
  • Hybridprothesen -Kombination aus Fremd- und Eigenkraft

Amputationshöhe

Teilhandamputation:

Wiederherstellung der Greifmöglichkeit, funktioneller Ersatz der zehn Finger bei bestimmten Tätigkeiten erforderlich. Kos-metische Prothese aufgrund psychischer Notwendigkeit. Die Hand ist anders als untere Extremität immer im Blickfeld der Menschen. Bei fehlendem Langfinger ist kaum noch eine Funktion der Prothese zu erwarten.

Handwurzelstümpfe:

Wenn alle Finger fehlen oder ein Hand-wurzelstumpf vorliegt sind als funktionelle Versorgung Greifplattenprothesen möglich (Vorteil: Sensibilität beim Greifen)        Passiv als kosmetische Prothese in Form eines Handschuhes aus PVC oder Silikon.

Handgelenksexartikulation

Kosmetisch schwierg zu versorgen. Die Prothese wird länger als die gesunde Seite. Der Prothesenstumpf behält aber die volle Pro- und Supination. Die Prothesenhaftung ist aufgrund der Kondylen gut. Funktionelle Prothesen könne durch myoelektrische Konstruktionen oder durch Kraftzug hergestellt werden.

Unterarmamputation

Unterarmprothesen haben eine hohe Akzeptanz, da im Verhältnis zu den anderen Armamputationen der größte Gewinn an Lebensqualität erfolgt. Bei langen Unterarmstümpfen verhält es sich ebenso wie bei den vorher genannten. Je kürzer der Stumpf, desto geringer wird die Umwendfähigkeit und desto schwieriger die Prothesenhaftung. Die ellenbogenübergreifende Stumpfbettung macht eine Umwendbewegung unmöglich. Die Prothesenhaftung mittels Silikonliner läßt weiterhin Pro- und Supination zu. Für aktive Prothesen stehen sowohl Zug- als auch myoelektrisch gesteuerte Prothesen zur Wahl. Meist sind ausreichende Muskelpotentiale zur Steuerung messbar. Maßgeblicher Unterschied beider Systeme ist das höhere Gewicht der Myo-Prothese, besonders bei Kurzstümpfen problematisch.

Ellenbogenexartikulation

Kosmetisch schwierige Versorgung wegen der Überlänge, dafür gute Stumpfadaption möglich aufgrund der Kondylenfassung. Besondere Amputationsmethode= Winkelostemie nach Marquardt soll eine ebenso gut Prothesenhaftung erreichen gleichzeitig aber keine Überlänge erzeugen. Als aktive Prothesen kommen Prothesen mit Dreizugbandage in Frage. Ein Zug dient der Beugung des Ellenbogens, ein zweiter ver- und entriegelt den Ellenbogen und ein dritter dient der Greiffunktion. Die Greiffunktion kann auch statt dessen myoelektrisch über Triceps- und Bicepselektroden gesteuert werden (Hybridprothese).

Oberarmamputation

Schwierigere Versorgung, da der Nutzen geringer ist. Es gilt für die Prothesenversorgung das Vorhergesagte. In der Regel muß die Prothese aber schulterübergreifend   gestaltet   werden,   um  ein   Abrutschen  zu   verhindern.   Die Funktionen der beschriebenen Dreizugbandage können wahlweise auch reduziert werden, Ellen-bogensperre durch manuelle Betätigung am Gelenk, Verzicht auf Beugegurt bis hin zur rein passiven kosmetischen Versorgung. Bei Verwendung eines Silikonliners zur Prothesenhaftung ensteht großer Gewinn an Bewegungsfreiheit.

Schulterexartikulation

In der Regel wird diese Amputation nur mit passiven Prothesen versorgt. Schulterübergreifende Prothese mit Haltegurten erforderlich.

Schultergürtelamputation

Kosmetische Prothese oder Schulterkappe erforderlich, damit Konfektionkleidung am Körper getragen werden kann. Keine aktive Versorgung möglich.

Spezielle Amputationen

Winkelosteotomie nach Marquardt (Oberarm)

Sauerbruch
Prothesensteuerung durch Muskelkanalbildung an denen mit Stäben befestigte Züge der Steuerung dienen. Muskelkanäle können am Unterarm, Oberarm oder am Brust-muskel gebildet werden.

Krukenberg
Greiffunktion am Unterarmstumpf durch Trennung von Ulna und Radius. Diese „Zange“ kann eigenständig zum Greifen genutzt werden oder als Hebelsteuerung für eine Prothese dienen. Besonders bei Sehbehinderung oder beidseitiger Amputation sinnvoll, da volle Sensibilität erhalten bleibt.

Passive Prothesen

Besondere Anforderungen an rein kosmetische Prothesen sind in der Regel geringes Gewicht und ein möglichst natürliches Aussehen. Arbeitsarme sind passiv verwendete Prothesen mit der Möglichkeit der Adaption von Arbeitgeräten z.B. Tragehilfe.

Eigenkraft Prothesen

Die Prothesenfunktionen werden durch Bewegung des Stumpfes und des Schulter-gürtels über eine Kraftzug- Bandage gesteuert. Eigenkraft-Prothesen zeichnen sich aus durch sensible Rückmeldung beim Greifen („analoges Greifen“), große Zuverlaässigkeit und  geringeres Gewicht als Myo-Prothesen. Nachteile: erfordert intensives Training zur Steuerung (Dreizugbandage), Bandagenführung über die Gegenseite ist sehr lästig.

Fremdkraft Prothesen

Zu diesem Typ gehören alle durch eine externe Energiequelle angetriebenen Prothesen. Als Energiequellen stehen Druckluft oder elektrisch betriebene Systeme zur Verfügung. Neuerdings wird an vielversprechenden Systemen, die mit sogenannten Fluidaktoren betrieben werden, geforscht. Bei dem heute gängigen myoelektrischen System ist an der Hand Pro- und Supination und Greiffunktion möglich (Vierkanalsteuerung). Die Muskelaktionspotentiale werden am Unterarm an der Beuge- und Streckmuskulatur abgenommen, am Oberarm stehen Triceps und Biceps zur Verfügung. Verschiedenste Programme sind realisierbar, z.B. besteht bei nur einem Muskelsignal trotzdem die Möglichkeit der Greiffunktion. Neben elektrisch betriebenen Handmodulen gibt es auch elektrisch angetriebene Ellenbogenmodule, die jedoch ein insgesamt hohes Gewicht der Prothese ergeben.

Hybrid Prothesen

Dieser Prothesentyp beinhaltet sowohl externe Energiequellen als auch eine Nutzung der Eigenkraft. Häufigste Kombination dieses Typs ist die Oberarmprothese mit einer myoelektrischen Hand. Dabei wird die Ellenbogenflexion mittels einer Kraftzugbandage gesteuert.

Kraftzugbandagen

Neunerbandage
Einfachste Form des Kraftzuges. Diese Bandage dient nur dem Greifen und hat auch keine Haltefunktion für die Prothese. Sie wird z.B. bei langen Unterarmstümpfen eingesetzt.

Achterbandage
Diese häufig verwendete achtförmige Bandage wird sowohl zum Halten der Prothese als auch zum Greifen  bei Unterarmprothesen eingesetzt.

Dreizugbandage
Drei Funktionen können getrennt voneinander gesteuert werden. Beugen des Arms, Betätigung der Ellenbogengelenksperre und Öffnen der Hand. Voraussetzung ist eine passgerechte Stumpfbettung und eine exaktes Justieren der Bandage.

Der Beugezug wird durch Vorschwingen des Stumpfes betätigt. Er bildet mit seinem unelastischen Gurt die Achselschlinge und läuft von der vorderen Achselfalte über die gesunde Schulter diagonal über den Rücken bis zur Mitte des Oberschaftes. In der Axillarlinie läuft er über einen Gurtverbinder als Perlonseil weiter. An der medialen Seite des Oberarmschaftes wird er durch eine Öse geführt und gelangt so an den Unterarm.

Der Sperrzug wird durch einen Stumpfstoß des Oberarmstumpfes oder durch Abspreizen oder Nackenbewegung ausgelöst. Der Sperrzug entspringt als Doppelgummigurt am vorderen Teil der Achselschlinge und verläuft über den Nacken zur vorderen Abstemmplatte des Oberarmschaftes.

Der Greifzug wird durch das Vorbringen der Schultern betätigt (Brustmuskulatur). Der Zug entspringt an der hinteren Achselschlinge und verläuft von dort als Doppelgummigurt etwa horizontal bis leicht ansteigend auf die hintere Abstemmplatte des Oberarmschaftes. Dort wird er auf Höhe des Schultergelenkdrehpunktes drehbar vernietet. Von dort läuft er als Bowdenzug großbogig zur medialen Seite des Schaftes und wird am Unterarm befestigt und mittels Kupplung an die Hand geführt.

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